Martin Kosch – Sieger sehen anders aus

Klein & Kunst 10.3.2009


Wie Sieger wirklich aussehen, erfuhr Klein&Kunst-Redaktrice Margot Fink auf sehr unterhaltsame Weise bei der Premiere des neuen Soloprogramms „Sieger sehen anders aus“ von Martin Kosch am 7. März in der Gruam.

Der sympathische Grazer Kabarettist Martin Kosch stellt sich zu Beginn seines neuen Soloprogramms (Regie: Eik Breit) auf die Bühne und plaudert mit viel Selbstironie aus seinem Leben als Kabarettist.Dazu gehört u.a. die Messung des Begrüßungsapplaus, oder sein Prominentenstatus, dabei die wesentlichste Frage im „Kosch-Universum“: Werde ich erkannt?

Zu seinem neuen Programm könne er noch gar nicht viel sagen, meint Kosch, er habe erst den Titel und das Plakat. Welche Art Programm solle er machen? Kritisch? Aufklärerisch? Unterhalten will er, das steht fest und macht sich alsdann über sich selbst lustig. Doch bevor er richtig in Fahrt kommt, muss er weiterziehen, zunächst zu seinem Stammtisch auf der Agip-Tankstelle und danach zur Selbsthilfegruppe der altgewordenen Jungunternehmer. Hier zeigt Martin Kosch wieder einmal mehr sein Talent für gute, schräge Geschichten, treffsichere Pointen und genaue Charakter- und Milieustudien. Es ist ein Vergnügen ihm bei der Entwicklung der Geschichte zuzusehen.

Die erste Hälfte des Programms dient noch der Vorstellung der sechs handelnden Figuren: auf der einen Seite ein 100jähriger Kriegsveteran und Panzerbesitzer, ein arbeitsloser Alkoholiker und Jackson – schon bekannt aus „Panik unter Palmen“ – die drei hängen auf der Tankstelle herum, und auf der anderen Seite gibt es die Selbsthilfegruppe mit einem burnout-gefährdeteten Workaholic namens Mag. Pfister sowie Herrn Schleif, der gedanklich in einer Schleife hängen geblieben ist und sich eigentlich ständig auflösen möchte, und dem Leiter dieser Gruppe,einem Esoterikbauern und Gemüseflüsterer. In der zweiten Hälfte des Programms treffen diese beiden Gruppen aufeinander. Sie werden einen genialen Coup planen und ausführen, der viel Geld bringen soll und fast gelingt. An dieser Stelle sorgt Martin Kosch aber für eine überraschende Wendung, denn der Schluss ist doch am wichtigsten oder?

Auch in diesem Solo zeigt er, dass er sein Handwerk beherrscht und sorgt mit „Sieger sehen anders aus“ für Bombenstimmung in der „Gruam“. Wenn aus dem Greißlersterben ein „Chryslersterben“ wird, dann hat er die Lacher auf seiner Seite, obwohl die Finanzkrise zum Weinen ist. Das Programm lebt von den vielen lebendigen Dialogen, dem gekonnten Imitieren von verschiedenen umgangssprachlichen Färbungen und den skurrilen Figuren. Martin Kosch hat bei diesem Programm eine ideale Mischung aus einer Prise Gesellschaftskritik, viel Unterhaltung, einem Hauch Selbstironie und ein wenig Nachdenklichkeit gefunden.

Margot Fink für Klein&Kunst Onlein.

 

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